Buchempfehlungen für die Ferienzeit

Erholsame Ferientage wünschen wir allen, die in den nächsten Wochen unterwegs sein werden. Vielleicht besteht die Möglichkeit, ein Buch mit im Gepäck zu verstauen, das ich unbedingt empfehlen möchte. Wer mehr über Nicaragua und seine Geschichte erfahren möchte, sollte dieses Buch kaufen.

Kometensplitter: Interviews mit Frauen in NicaraguaDie Autorin Katja Ullmann portraitiert in ihrem Buch „Kometensplitter: Interviews mit Frauen in Nicaragua“ Frauen – Nicaraguanerinnen und Frauen aus anderen Ländern –  die in Nicaragua leben und arbeiten. Die Interviews vermitteln einen Einblick in die verschiedenen Bereiche des Alltags.
Katja Ullmann sprach mit den Frauen über Kindheitserinnerungen, ihre Erfahrungen in der Familie, im Beruf, mit den Männern… fragte sie nach ihren Idealen, Wünschen, Träumen…

…für mich war und ist die Revolution wie ein Komet, der den Himmel erleuchtete. Alle Welt sah ihn und er war schön. 1990 mit der Wahlniederlage zerbarst dieser Komet in Millionen Splitter Aber für mich sind diese Millionen Teile sichtbar…für mich gibt es sehr viele Dinge, die ein Vermächtnis der Revolution darstellen, weil unzählige Menschen sich mit der Revolution entwickelten und sie durch ihre heutige Arbeit weiterführen. Die Werte der Revolution sind Teil ihres Alltags, ohne dass sie es so nennen…

Aus dem Vorwort von Katja Ullmann, Dresden, Januar 2013

Nicaraguanische Legenden und VolkserzählungenKatja Ullmann lebt mit ihrem Mann – Carlos Ampié Loria – in Dresden. Er hat „Nicaraguanische Legenden und Volkserzählungen“ in deutsch und spanisch herausgegeben.

Mehr über die Autoren:
http://katjaullmann.jimdo.com/
http://carliterato13.jimdo.com/

Die Kinder vom Vulkan Maderas – Buchbesprechung von Hermann Schulz

Monika Höhn
Die Kinder vom Vulkan Maderas
Geschichten aus Nicaragua
52 Seiten, mit vielen Farbfotos, gebunden, 12,90€
Iatros Verlag, Dienheim

Die Autorin Monika Höhn nähert sich in ihrer bemerkenswerten neuen Veröffentlichung den Kindern vom Vulkan Maderas liebevoll und wohltuend respektvoll. Sie weiß, diese Jungen und Mädchen von der Insel Ometepe in Nicaragua brauchen niemanden, der vorgibt, für sie zu sprechen. Sie haben selbst eine Stimme: kraftvoll, lebendig, heiter, traurig. Sie sind die eigentlichen Autorinnen und Autoren dieses schönen Buches. Sie erzählen Abenteuer, Alltagsgeschichten, von Schildkröten und Pferden, von Vulkanausbrüchen und Papageien, von Tilapia-Fischen und festgefahrenen Camionetas. Ein ganzer spannender Kinderkosmos tut sich auf diesen Seiten auf. Auch wenn diese Stimmen aus einem sehr armen Land kommen: Sie zeugen auf ihre Art von Reichtum, von Vielfalt und Schönheit der Natur und des Zusammenlebens der Menschen.

Die Insel Ometepe ist ein kleiner exotischer Kosmos in den Tropen, bewacht und zugleich bedroht von zwei Vulkanen, geliebt und gefürchtet. Hier haben Monika und Michael Höhn seit vielen Jahren Wurzeln geschlagen. Ihren Filmen und Büchern spürt man an, dass sie sich zwar um das kümmern, was man „Hilfsprojekte“ nennt (Schule, Bibliothek, Krankenhaus und vieles mehr), dass sie aber für uns Nachrichten und Geschichten mitbringen, die uns hier in Deutschland helfen, die Menschen auf der anderen Seite der Erde besser zu verstehen. Wie sollen wir unser eigenes Leben und die Welt von heute begreifen, wenn wir uns armselig selbst genügen?

„Die Kinder vom Vulkan Maderas“ ist ein Buch von Kindern und für junge und ältere Kinder bei uns, für alle Menschen, die neugierig geblieben oder geworden sind. Die Fotos, die den Geschichten beigegeben wurden, sind von eindringlicher Direktheit: Da schaut uns das Leben aus vielen Augen an, als hätten sie Fragen an uns und warteten auf unsere Antwort. Vielleicht wollte Monika Höhn mit ihrem Buch genau das bewirken.

Hermann Schulz

Der Autor dieser Rezension, Hermann Schulz, besuchte zwischen 1969 und 2008 Nicaragua mehr als 25 Mal. Er arbeitete als Verleger und lebt heute als Schriftsteller in Wuppertal

Lust auf Nicaragua – Buchbesprechung von Hermann Schulz

Monika Höhn
Lust auf Nicaragua – Kulinarische Reiseskizzen
Ganas de Conocer Nicaragua – Esbozos Culinarios
Gronenberg-Verlag
212 Seiten mit vielen farbigen Fotos,
zweisprachig deutsch-spanisch
ISBN-Nummer 3-88265-245-4
€24,50 US$28,00

Seit 1978 sind in deutscher Sprache, bedingt durch die politischen Ereignisse in Nicaragua, von Jahr zu Jahr mehr Bücher erschienen. Ein Volksaufstand, eine Revolution, die Vision einer gerechten Gesellschaft begeisterte die Menschen auch in Europa. Nicaragua wurde – man muss es so sagen – zu einem Modethema; die Solidarität mit diesem armen ausgebluteten Land galt als schick. Mit dieser Anmerkung soll in keiner Weise die Arbeit der vielen Solidaritätsgruppen geschmälert werden.

Viele der Bücher, die bis zum Ende der Revolutionsregierung (1990) erschienen, hatten eine wichtige Funktion. Sie informieren, sie motivierten, sie warben für ein Land im Aufbruch. Einige der Bücher erwiesen sich als überflüssig; manche sogar als schädlich, weil sie das Thema benutzten für ideologische Verstiegenheit. Das hatte dann mit den Menschen Nicaraguas nichts mehr zu tun.

Nun veröffentlicht die bekannte Autorin Monika Höhn im Jahre 2003 ein umfangreiches, ein aufwendiges, ein zweisprachiges, ein mit vielen Farbfotos ausgestattetes Buch mit dem Titel „Lust auf Nicaragua – Kulinarische Reiseskizzen“. Das ist eine Überraschung, denn auf dem Buchmarkt ist „Nicaragua“ längst kein Modeartikel mehr, sondern wie so viele Themen aus der Dritten Welt vergessen und überlagert von dem, was der Markt für „wichtig“ hält.

Gerade deswegen möchte ich dieses Buch empfehlen. Es führt durch ein wunderbares, immer noch weitgehend unbekanntes Land, es ist Reiseführer zu Menschen, es lässt teilhaben an den Reichtümern (der Küche) und des Zusammenlebens (der Gemeinschaften). Es ist ein Buch, das von den Schönheiten berichtet und zugleich sinnliche Welten herbei zaubert, die jedem unvergesslich bleiben, der sich diesem Nicaragua einmal angenähert hat. Auch nach mehr als zwanzig Reisen muss ich gestehen, dass ich vieles von dem, was Monika Höhn erzählt, nicht wusste – und begierig aufgenommen habe.

Dass die Autorin die „Küche“ benutzt, um in die Geheimnisse und Reichtümer eines Landes einzuführen, ist nicht nur ein Trick der Verführung. In den Speisen (auch der Armen!) zeigt sich soviel an Kreativität, an überkommener Kultur, an Phantasie und sinnlicher Wahrnehmung, dass es verwundert, dass ein solches Buch erst jetzt erscheint. Aber vielleicht gibt es nicht viele Deutsche, die das Land so intim, so liebevoll und so wahrhaftig wahrgenommen haben – oder so gut schreiben konnten wie Monika Höhn.

Hermann Schulz

Hermann Schulz ist ehemaliger Verleger von Ernesto Cardenal, Gioconda Belli und vielen anderen nicaraguanischen Schriftstellern. Er ist selbst Verfasser von drei Nicaragua-Büchern.
Schulz lebt heute als Autor in Wuppertal.

Alltag in Nicaragua – Buchbesprechung von Hermann Schulz

Monika Höhn
Alltag in Nicaragua /Vida cotidiana en Nicaragua
Vom Leben der Menschen auf der Insel Ometepe
Gronenberg Verlag Juni 2008
280 Seiten Deutsch-Spanisch mit mehr als 200 Farbfotos,
fester Einband: €29,90
ISBN 978-3-88265-280-2

Noch ein Buch über Nicaragua? Ja, glücklicherweise. „Alltag in Nicaragua“ ist optisch und inhaltlich eine wunderbare Einheit. Texte von 33 Autorinnen und Autoren haben die beiden Höhns mit hunderten von tollen Bildern der kleinen Insel Ometepe zu einem sinnlichen, kraftvollen und informativen Dokument von Alltagsleben und Alltagsmenschen vereint. Das kann nur glaubwürdig gelingen, wenn Menschen sich lange Zeit mit viel Liebe, Geduld und Bescheidenheit auf ein anderes Land einlassen.
So ist nicht nur ein Buch über Ometepe entstanden; es steht beispielhaft für das ganze phantastische, aber leidgeprüfte Land Nicaragua in Zentralamerika.

Wie Monika und Michael Höhn dies Wunder fertiggebracht haben, ist großartig. An keiner Stelle hat den Rezensenten Langeweile überfallen. Leser und Betrachter tauchen ein in die Fülle einer fremden, und doch nahen Welt: Wie bewältigen diese Menschen ihre Armut, wie steht es mit der nachbarlichen Solidarität, wo findet Kultur statt, wie steht es mit den Folgen der Unterentwicklung, was denken diese – von der Welt oft abgeschnittenen – Menschen über Umweltschutz, Ökologie, Musik, Tanz, gute und böse Traditionen, Familienprobleme, Nachbarschaft, Macho-Mentalität, Solidarität, wie ertragen sie die Folgen der Globalisierung, die bis in den letzten Zipfel unserer Welt spürbar werden – und die Ärmsten der Armen besonders trifft.

Hier wird nicht „von außen“ berichtet; die meisten der Autoren sind Nicaraguanerinnen und Nicas (so nennt der Volksmund die Nicaraguaner), die auf der Insel leben; oder Europäer, die sich liebevoll auf dieses Land eingelassen haben.

Auch von den Veränderungen durch die Solidarität aus Deutschland ist die Rede, für die die Namen der beiden Autoren, Monika und Michael Höhn stehen; aber sie tun das bescheiden und immer eingedenk der Tatsache, dass der solidarisch Gebende mehr gewinnt als er gibt.
Im Laufe meines eigenen Lebens mit Nicaragua habe ich sicher einige hundert Publikationen über dieses Land gelesen und gesehen: „Alltag in Nicaragua“ ist unvergleichlich, weil es an keiner Stelle romantisiert, weil in ihm die Menschen zu Wort kommen – und wir ein lebendiges, realistisches Bild vom Leben der Armen vermittelt bekommen.

Ob wohl diese Insel in all ihrer Schönheit und Fülle wahrlich romantisch ist und man nur wünschen kann, dass viele unserer Landsleute die Einladung annehmen, sich auf Ometepe einzulassen.

Hermann Schulz

Hermann Schulz war der langjährige Leiter des Peter-Hammer-Verlags in Wuppertal, der viele lateinamerikanische Autoren wie Gioconda Belli, Ernesto Cardenal oder Eduardo Galeano in Deutschland bekannt gemacht hat.

Und Esmeralda tanzte – Buchbesprechung von Hermann Schulz

Monika Höhn. Michael Höhn
Unterwegs in Nicaragua - Und Esmeralda tanzte
Szenen – Geschichten - Reiseerlebnisse
104 Seiten, broschiert
Iatros Verlag

Nur wenige dramaturgische Eingriffe wären nötig, und dieses Buch wäre ein Roman mit vielen Bildern, Szenen, Eindrücken geworden; der Roman von zurückhaltenden, aber engagierten Deutschen, die neugierig eine neue Welt besuchten und noch immer dabei sind, ihr Land, Nicaragua in Zentralamerika, zu entdecken. Der Unterhaltungswert ist groß, denn auf fast allen Seiten schlägt uns Lebensfreude und Humor entgegen. Der Informationswert ist groß für alle, die Nicaragua kennen lernen wollen. Allerdings ist ein Kapitel, mit guten Gründen, ganz ausgeklammert, das der Welt der Reichen, der Besserwisser und der Politiker. Hier geht es um das andere Nicaragua, zu dem sicher mehr als 80% aller Menschen gehören.

Das Ehepaar Monika und Michael Höhn haben aus ihrem reichen Schatz von Erlebnissen drei Dutzend Geschichten ausgewählt und erzählt, die diese Gesellschaft „von unten“ beleuchtet. Eindrückliche Begegnungen mit Menschen, halsbrecherische Fahrten, nebenbei kulturgeschichtlich spannende Aspekte in Kurzform – und immer wieder eine leidende und kämpfende Bevölkerung, die heute vielen Hoffnungen nachtrauern muss, sie aber trotzdem nicht verloren hat.

Die Antwort auf die Frage, was der Grund für soviel Geduld ist, beantworten die Geschichten selbst; mal ist es einfach die menschliche Grundhaltung, mal der unerschütterliche christliche Glaube, mal die politische Hoffnung. Da ist aber auch von der Solidarität unter den Armen die Rede, ohne die das Elend in diesem Land viel größer wäre. Und von der Solidarität aus anderen Ländern, von Menschen unserer Breitengrade, für die einfache kleine Schritte – eine Schulspeisung, der Bau einer Schule, ein paar Bücher und Hefte für Kinder, eine kostenlose ärztliche Untersuchung, das Besorgen eines Rollstuhls für jemanden, der seit Jahren im Dunkeln einer Hütte liegen muss – besser sind als sich resigniert abzuwenden.

Die beiden Autoren haben genau hingesehen! Auch und vor allem da, wo Zweifel an der Redlichkeit von Hilfsorganisationen angebracht ist – wie bei jenen fundamentalistischen Amerikanern, die als Gegenleistung für ärztliche Hilfe einen Gottesdienstbesuch verlangen. Auch das Leben der Nicaraguaner wird nicht verniedlicht; wo es Widersprüche gibt, werden sie aufgezeichnet, ohne dass sich die Autoren als Moralapostel aufspielen.

Die Höhns reden wenig im Hauptteil des Buches von eigenem Handeln und ihren eigenen Projekten, obwohl es darüber viel zu berichten gäbe; sie überlassen das den kurzen Informationen im Nachwort, die ihre Arbeit in Nicaragua vorstellen.

Das Buch ist ein Lehrstück in Lebensfreude und Hoffnung; es macht Mut, einfach mitzumachen oder anzufangen. Eine glaubwürdige Einladung, sich auf jene Menschen einzulassen, die manchmal nur eine kleine Unterstützung brauchen, um den Weg vom Elend in menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen.

Hermann Schulz

(H.S. war der langjährige Leiter des Peter-Hammer-Verlags in Wuppertal, der viele lateinamerikanische Autoren wie Gioconda Belli, Ernesto Cardenal oder Eduardo Galeano in Deutschland bekannt gemacht hat.)