Bericht von Laura und Jörg

Laura Stöver und Jörg Staschewski studieren Medizin an der Universitätsklinik „Charite Berlin“ im 5. Studienjahr und besuchten das Ometepe-Projekt

Sie haben uns folgenden Bericht von ihrem Aufenthalt auf der Insel geschickt.

Famulaturbericht

Clinica la Esperanza, Santo Domingo, Ometepe
23.05.2011-19.06.2011

Durch den Bericht von Herrn Nowak, einem Famulanten in der Clinica vor 2 Jahren, waren wir auf das Projekt aufmerksam geworden und nahmen uns vor, 4 Wochen unserer Mittel- und Südamerikareise für das Projekt Ometepe Alemania mit Herrn Doktor Alvarado zu arbeiten. Grossartig war die schnelle und freundliche Kommunikation mit den Projektinitiatoren Monika und Michael Hoehn, welche uns den Weg schnell bahnten.

Wir hatten durch den oben erwähnten Bericht schon einige Vorstellungen und Wünsche an die Famulatur. So stellten wir uns vor, einiges über Tropenmedizin zu lernen, erhofften uns den medizinischen Fachwortschatz in Spanisch schnell anzueignen und einen Einblick in die Medizinalversorgung eines Entwicklungslandes zu gewinnen.

Sprachlich hatten wir anfänglich doch mehr Schwierigkeiten als erwartet. Aspekte wie der nicaraguanische Akzent- sehr viel schneller und nuscheliger als das mexikanische oder spanische Spanisch-, inseleigene Woerter für bestimmte Krankheitssymptome, hier half uns der Arzt natürlich beim Verständnis, sowie laute Deckenventilatoren oder Generatoren vor der Tür, schlechte Zahnstati der Patienten. Nicht zu unterschätzen war auch das Klima, entweder es ist heiss und stickig oder es stürmt und regnet. Dazwischen gibt es nichts. Da wir gerade zum Anfang der Regensaison kamen, hat uns die Schwüle oft matt und kraftlos gemacht.

Wir waren erstaunt über das Arztzimmer, man erwartet doch ein weisses, steriles Arztzimmer mit viel Platz, anstelle dessen war das Zimmer eng und die Wände und Regale vollgehangen, bzw. -gestellt. Um ehrlich zu sein erschreckten wir uns ein wenig, weil es sich eben so wenig vertraut anfühlte, so wenig “arztmässig” mit dem grossen Skorpion an der Wand, dem lachenden knallgrünen Kermit und den roten, glänzenden Herzen aus Deutschland. Natuerlich machte Doktor Alvarado diesen Eindruck sofort wieder wett mit seinem blauen Kasack und seiner freundlichen Autorität.

Wir haben viel in dem Sinne von der Famulatur profitiert, indem wir mit den wenigen Untersuchungsmethoden (2 mal im Monat gibt es die Möglichkeit einer Ultraschalluntersuchung auf der Insel; ein Röntgengeraet fehlt komplett, was ich schon etwas dramatisch finde, wenn man bedenkt, dass auf der Insel 35.000 Menschen leben; eine Blutuntersuchung umfasst die Standartparameter; Stuhl- und Urinuntersuchungen können erfolgen – erschreckend, dass eine Frau mit Zervix-Ca und ausgeprägtem Kolposkopiebefund 3 Monate auf einen Termin bei einem Gynäkologen auf dem Festland warten muss-), die zu Verfügung standen, anhand der klin. Anamnese und körperlichen Untersuchung eine Diagnose stellen mussten. Zu jedem Fall sollten wir Behandlungsmöglichkeiten erwähnen und besprachen die Fälle meist nach. Bei fehlendem Wissen unsererseits gab es gleich eine kleine “tarea” für zu Hause, was sehr hilfreich war.

Überrascht waren wir von der Vollständigkeit der Apotheke. Erstaunt, dass die Menschen trotz der sehr günstigen Medikamente, zum Teil auf das Antibiotikum verzichten und dann im Verlauf stärker erkranken. Man kann die Armut manchmal garnicht fassen, da sie zum Teil eben nicht so offensichtlich von den stolzen Nicas offengelegt wird.

Schwierig war es, das Bild des Arztes hier zu verstehen, bzw. auf sich anzuwenden, was uns auch nicht gelungen ist. Herrn Doktor Alvarado missfiel es, wenn wir einmal sagten: “No lo se.” Der Arzt in Nicaragua weiss alles! Kennt jeden Film, jedes Buch, weiss sogar, wie man einen Kuchen backt, da die Menschen das von einem hier erwarten. Man soll sich dementsprechend als Alleswisser präsentieren. Aus Deutschland sind wir dann doch eher die beratende Funktion des Arztes gewöhnt, oft sind die Pat. in Deutschland durch das Internet überinformiert. Wenn man hier den Pat. eine Krankheit näherbringen möchte, muss man oft bei den ganz basalen Dingen anfangen. So erlebten wir es zum Beispiel, als wir zweifach einen Vortrag über Anämie im Kindesalter hielten. Und selbstverständliches Wissen, z.B. das über eine ausgewogene Ernaehrung, sind hier fern.

Auch waren die Gespräche mit dem Arzt und Herrn Holstein, dem Zivildienstleistenden, über andere Aspekte Nicaraguas sehr aufschlussreich, auch wenn zum Teil noch mehr Fragen aufkamen.

Unsere Erwartungen an den Arzt wurden über alle Maßen hinaus erfüllt. Wir waren angetan von dem ständigen Engagement von Herrn Doktor Alvarado. Soviel Bemühen und Aufmerksamkeit waren wir von Ärzten in den Berliner Krankenhäusern nicht gewohnt. Angenehm war auch die Wertlegung auf die Basics in der Medizin, die in unserem Studium gerne mal aus den Augen verloren werden, um sich dann im Kleinen zu verstricken. Wir haben sehr von dem überaus fundiertem Wissen des Arztes profitiert. Grossartig war auch der weite Themenbereich, in dem wir uns bewegten, da der Arzt zugleich Pädiater, Gynäkologe, Internist, Infektiologe, Psychiater, Orthopäde, Dermatologe, Neurologe und Tropenmediziner ist. Es war toll zu sehen, dass es noch möglich ist, auf seine Patienten einzugehen, ihnen viel Raum zu geben auch für private Probleme und ihnen viel Einfühlsamkeit und Respekt entgegenzubringen, wie Herr Doktor Alvarado dies zu tun pflegt.

Wir sind sehr dankbar für diese tolle Erfahrung.

Laura Stoever
Joerg Staschewski

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