Bürgerkriegsähnliche Zustände überschatten Ometepe-Fest

Es sollte ein fröhliches Wiedersehen, ein buntes Fest mit einem Dankgottesdienst werden.
Nahezu 200 Menschen aus dem Oberbergischen waren in den vergangenen 25 Jahren auf der
Insel Ometepe und haben das Ometepe-Projekt kennen- und lieben gelernt. So war es seit langem
von den Initiatoren Monika und Michael Höhn und allen Mitarbeitern geplant. Die Flüge für fünf
Mitarbeiter aus Ometepe waren gebucht. Elf Tage sollten sie in Wiehl zu Gast sein. Doch dann
kam die traurige Nachricht aus Nicaragua: drei Wochen nachdem Monika und Michael Höhn
Ende März die Insel verlassen hatten, gab es Bürgerproteste im Land. Ausgelöst durch Studenten
der Universität, die gegen höhere Rentenbeiträge und zugleich Rentenkürzungen aufbegehrten,
waren der Funke im Pulverfass. Sie waren auch der Korruption in der Regierung angesichts
großer Armut in der Bevölkerung überdrüssig und hatten ein starkes Verlangen nach
Veränderung in ihrem Land. Sie äußerten das in friedlichen Protesten mit Unterstützung der
katholischen Kirche, der Bauern, der nicaraguanischen Bevölkerung und der internationalen
Gemeinschaft, die unter ihnen lebte.
Am 19. April reagierte die Regierung auf die Proteste der Studentenschaft mit scharfer Munition,
Entführungen und Gewalt. Bis heute haben die Auseinandersetzungen 100 Menschenleben
gefordert hat, von denen die meisten junge Studenten sind. Viel wurden verhaftet. Junge
Menschen, die sich für ein freiwilliges soziales Jahr in Nicaragua entschieden hatten, mussten das
Land verlassen. Es gab Straßenbarrikaden, das Auswärtige Amt warnte davor, nach Nicaragua zu
reisen.
„Tag und Nacht sind wir per Messenger in Verbindung mit unseren Partnern auf der Insel,“ sagen
die Höhns. „Wir sind einfach hilflos und alle, die das friedliche Nicaragua in den 25 Jahren
kennen gelernt haben, sind erschüttert von den täglichen Nachrichten, die wir von der Insel
erhalten.“ Gestern erhielten wir die Nachricht, dass Hotels auf der Insel geschlossen haben,
Arbeitskräfte entlassen werden mussten, da es keine Touristen mehr gibt. Es gibt bereits
Engpässe bei der Lebensmittelversorgung und beim Benzin. Die Krankenhäuser sind überfüllt
und medizinisches Material zur Behandlung der Patienten fehlt. Eine Krankenschwester
berichtete, dass die Menschen in ständiger Angst lebten und viele sich an den Krieg in den
80erJahren zurückerinnerten. „Die paramilitärischen Einheilten schießen auf Anweisung der
Regierung nach wie vor auf Demonstranten. Niemand weiß, wie es im Land weitergeht. Die
Mehrheit der Bevölkerung fordert den Rückzug des Präsidenten und vorgezogene Neuwahlen.
„So verstehen wir unser Fest am 16. Juni 2018 als eine Solidaritätsveranstaltung mit den
Menschen in Nicaragua. Im Gottesdienst um 11 Uhr werden wir vor allem Fürbitte für unsere
große Familie auf Ometepe halten, dass der soziale Friede wieder in Nicaragua einkehre“, sagen
Monika und Michael Höhn.

Feierlichkeiten zum Jubiläum:
13. Juni 2018 um 19 Uhr, Ev. Gemeindehaus Wiehl, Schulstr. 2
Buchvorstellung:
„Paradies mit Widerhaken – Ometepe – Nicaragua – Erinnerungen aus 25 Jahren“

16. Juni 2018 um 11 Uhr, Ev. Kirche Wiehl, Hauptstr. 24 a
Dankgottesdienst zum Jubiläum
ab 14 Uhr: Behinderten-Werkstätten in Wiehl-Faulmert, Faulmerter Str. 21
„Ometepefest“ mit einem reichhaltigen musikalischen und kulinarischen Angebot

Interview mit Monika und Michael Höhn mit „Oberberg Aktuell“ zur Lage in Nicaragua

„Wir wünschen uns Frieden!“
Immer wieder haben wir diese Äußerung in den letzten 25 Jahren der Projektarbeit auf Ometepe von den Einheimischen gehört. „Unsere Insel ist wunderschön, wir leben gerne hier. Leider fehlt es noch
an so vielem…“ Dieser Satz einer Landarbeiterin, einer Campesina, klingt mir noch heute im Ohr, wenn ich an unser Gespräch zurückdenke,“ sagt Monika Höhn. Und vermutlich hatte niemand damit gerechnet, dass Nicaragua im April 2018 massive Protestbewegungen gegen die Regierung von Präsident Daniel Ortega erleben würde. Viele Menschen sind mit seiner diktatorischen Regierung nicht einverstanden und gingen zu Hunderttausenden auf die Straße. Es gab zahlreiche Tote und Verletzte.

Im nachfolgenden Interview ist mehr über die Hintergründe der Entwicklung in Nicaragua zu lesen:
http://www.oberberg-aktuell.de/index.php?id=70&no_cache=1&tx_ttnews%5Btt_news%5D=201226

Danke an alle Zahnärzt*innen und ihre Patient*innen

Herzlichen Dank an alle, die auch im Jahr 2017 wieder ihr Zahngold für die Arbeit im Ometepe-Projekt zur Verfügung gestellt haben. Insgesamt sind 10.179,80€ auf das Konto des Ev. Kirchenkreises An der Agger eingegangen. Gerade in der jetzigen schwierigen Situation in Nicaragua, in der bei friedlichen Bürgerprotesten gegen die autoritäre Regierung insgesamt 80 Menschen ums Leben gekommen und Unzählige verletzt wurden oder in Gefängnissen gelandet sind, ist unsere Hilfe von ganz besonderer Bedeutung.
Vor einer Einreise nach Nicaragua wird von Seiten des Auswärtigen Amtes gewarnt, so dass der ausbleibende Tourismus, die damit verbundene Entlassung von Arbeitskräften in Hotels und Gaststätten und auch die schwieriger werdende Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung wieder die Ärmsten trifft. Es ist sehr zu hoffen, dass sich demokratische Verhältnisse in Nicaragua durchsetzen und die Zeit der Gewalt und Unsicherheit beenden.

Freudiges Wiedersehen mit Gioconda Belli

Das Nicaragua-Informationsbüro in Wuppertal und die Gleichstellungsstelle für Mann und Frau in Wuppertal hatten zu einer Lesung mit der nicaraguanischen Autorin Gioconda Belli eingeladen. Viele Interessierte waren gekommen, um vor allem auch nach der Lesung Informationen über die aktuelle Lage in Nicaragua zu erhalten. Das Fazit nach den schrecklichen Gewaltaktivitäten am 18. April bis heute: Der Demokratisierungsprozess lässt sich nicht aufhalten, die Mehrheit der Bevölkerung wünscht, dass der machthungrige Präsident Daniel Ortega nach den gewalttätigen Reaktionen der Regierung auf die friedlichen Proteste der Studenten, die zu vielen Todesopfern geführt haben, mit seiner Frau, der Vizepräsidentin Rosario Murillo, abtritt. Außerdem sollten alle Morde aufgeklärt werden. Ein Generalstreik im ganzen Land ist für den 1. Juni vorgesehen. Am Muttertag, dem 30. Mai stehen die Mütter der verstorbenen Studenten im Fokus. Ihnen gilt der Tag in besonderer Weise! Die nicaraguanische Bevölkerung wünscht sich einen friedlichen Protest! Das betonte auch eine Besucherin aus Matagalpa, die sich in verschiedenen Frauenprojekten engagiert. Bereits 2009 war Gioconda zu einer Lesung im Burghaus in Bielstein, im Anschluss gab es auch vor 9 Jahren anregende Gespräche mit Monika und Michael Höhn und einigen Freunden in Börnhausen. Bei aller unserer Hilflosigkeit gilt unsere Solidarität mit unseren Freunden und Freunden und Projektpartnern auf Ometepe und in Nicaragua umso mehr.

Deutscher PEN und PEN Nicaragua fordern ein Ende der Gewalt und die Sicherstellung der freien Meinungsäußerung in Nicaragua

Der deutsche PEN und PEN Nicaragua verurteilen die schweren Unruhen in Nicaragua, bei denen seit dem 18. April gemäß dem Anfang dieser Woche durch die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) vorgelegten Bericht 76 Menschen ums Leben gekommen und 868 verletzt worden sind – in ihrer Mehrzahl Studentinnen und Studenten. Die Proteste richten sich gegen den autoritären Regierungsstil von Daniel Ortega, der die Mechanismen der Demokratie, an erster Stelle die Gewaltenteilung, ausgehebelt, die wichtigsten Schaltstellen der Macht durch Nepotismus besetzt und sich in seiner Regierungszeit schamlos bereichert hat.

Besondere Sorge bereitet uns die immer stärker werdende Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit, sei es durch die Übernahme von Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehstationen, durch die gezielte Einschränkung von Arbeitsmöglichkeiten für kritische Journalisten oder auch durch direkte Bedrohung. Die Meinungsfreiheit ist eines der höchsten Güter freiheitlich-demokratischer Gesellschaftsordnungen, für deren Verteidigung der PEN uneingeschränkt eintritt.

Der entschlossene Protest hat bewirkt, dass inzwischen mit der Kirche als Vermittlerin ein „Nationaler Dialog“ in Gang gekommen ist, dessen Ziel von Seiten der Zivilgesellschaft die Ablösung der Regierung Ortega ist. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob eine Rückkehr zur Demokratie möglich ist. Wir unterstützen den durch die nicaraguanische Bischofskonferenz vorgelegten Reformkatalog zur Lösung der Krise.

Wir stehen an der Seite der Menschen, Publizisten und Medienarbeitern, die in Nicaragua um ihre demokratischen Freiheiten, insbesondere das Recht auf freie Meinungsäußerung, kämpfen, und fordern von der Regierung Ortega, nicht länger den friedlichen Protest gewaltsam zu unterdrücken oder zu kriminalisieren.

Gioconda Belli, Präsidentin von PEN Nicaragua
Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland

Pressekontakt:
Felix Hille
PEN-Zentrum Deutschland e.V., Kasinostr. 3, 64293 Darmstadt
Tel.: 06151 / 23120
Mobil: 0157 / 31382637
E-Mail:

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine von derzeit weltweit 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. PEN steht für Poets, Essayists, Novelists. Die ursprünglich 1921 in England gegründete Vereinigung hat sich als Anwalt des freien Wortes etabliert und gilt als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller.

Herzliche Einladung zur Vorstellung unseres neuen Buches anlässlich des 25-jährigen Projektbestehens

Liebe Freundinnen und Freunde von Ometepe,
liebe Unterstützerinnen und Unterstützer!

Bei unserem mehrwöchigen Aufenthalt im März 2018 in Nicaragua und auf der Insel Ometepe
ahnten wir nicht, dass es wenige Wochen später zu einer gewaltsamen Eskalation in Nicaragua
kommen würde.
Seit dem 18.4.2018 erhalten wir Nachrichten, dass es Straßensperren, Protestmärsche und Gegenproteste gibt und ein Ende dieser angespannten Situation nicht abzusehen ist. Der Unmut über soziale Missstände und das Machtmonopol der Regierung hatte sich offenbar derart angestaut, dass er in blutigen Straßenschlachten endete, bei denen es zahlreiche Tote gab.
Und auch unsere wunderbare friedliche Insel Ometepe wurde dabei nicht verschont, so dass unsere fünf Gäste die Reise nach Deutschland zu unserem Jubiläum abgesagt haben. Wir sind seitdem in dauerhaftem Kontakt zu unseren Partnern. Die meisten Touristen meiden Nicaragua, nachdem das Auswärtige Amt vor Reisen nach Nicaragua gewarnt hat. Es gibt keine Einnahmen, so dass die ersten Arbeitskräfte entlassen werden mussten.
Lebensmittel werden knapp und der Vandalismus an vielen Orten ist nicht zu stoppen. Die Angst in der Bevölkerung wächst.
Wir sind sehr traurig, haben wir doch in den vergangenen 25 Jahren Nicaragua als ein friedliches Land erlebt, das unter den mittelamerikanischen Ländern als das Land mit der niedrigsten Kriminalitätsrate gelobt wurde. Nicaragua steht nun vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen, deren Entwicklung noch nicht abzusehen ist. Wir können nur hoffen, dass die Bereitschaft zum Dialog – vor allem auch durch die Vermittlung der katholischen Kirche – anhält. Wir denken, dass wir zum richtigen Zeitpunkt noch einmal ein Buch herausgegeben haben.
Unsere wunderbaren Erfahrungen und Begegnungen mit den Menschen in Nicaragua, die wir seit 1993 gemacht haben, spiegeln sich in vielen Geschichten in unserem Buch wieder. Dabei haben wir die politischen Entwicklungen nicht ausgeklammert. Es kommen auch viele Mitgereiste selber zu Wort. Wir würden uns deshalb sehr freuen, wenn wir Sie bei der

Buchvorstellung am 13. Juni um 19:00 Uhr
im Evangelischen Gemeindehaus in Wiehl

Begleitet von Ramiro Marcos Sanz mit der Gruppe Encuentro Guitar
treffen könnten.

Und natürlich werden wir auch – soweit es uns möglich ist – auf die aktuelle Situation in Nicaragua eingehen!
Unser 25-jähriges Projektbestehen werden wir – wie angekündigt – dann am 16. Juni gemeinsam feiern! Über eine Rückmeldung würden wir uns freuen.
Mit freundlichen Grüßen – auch im Namen unseres Fachausschusses Ometepe

Monika und Michael Höhn