Zu Besuch im Helene-Lange-Kindergarten Gaderoth

Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern (Anne Frank)

Viele Fotos von großen und kleinen Menschen, von Landschaft, einem Vulkanausbruch schmückten den Turnraum der Kindertagesstätte am Dienstag, dem 02.04.2019. Erstaunt betraten unsere 26 Vorschulkinder den Raum. Auf dem Boden lag ein geheimnisvoller Jutesack. Bald erfuhren sie, dass in dem Sack 2 Macheten verpackt und dass die Fotos auf Ometepe fotografiert worden sind. Gespannt schauten die Kinder, als sie hörten, dass Ometepe eine Insel mit 2 Vulkanen ist, die zu Nicaragua gehört. Um uns das Wort „Ometepe“ zu merken, klatschen wir erst mal die Silben „Om-e-te-pe“. Dann machten wir Kniebeugen im Silbentakt.
Wir hatten nämlich an diesem Vormittag Besuch von Monika Höhn bekommen. Monika hat vor ca.25 Jahren mit ihrem Mann Michael und ein paar Freunden das Ometepe – Projekt (www.ometepe-nicaragua.de) gegründet. Monika Höhn war schon oft bei uns und erzählt unseren Vorschulkindern wahre Geschichten von der Insel Ometepe. So lauschten die Kinder auch in diesem Jahr wieder interessiert, als Monika von Elias, Carlito, Manuel und den vielen Kindern berichtet, die in ihren Palmhütten um den Vulkan Maderas leben, und sie betrachteten die großen Fotos, auf denen die nicaraguanischen Kinder zu sehen waren – mal beim Verkauf von Gegenständen in den Überlandbussen, als Schuhputzjungen auf der Straße, oder beim Kofferschleppen für Touristen auf der Fähre, oder zu Hause in ihren Hütten, die mit Kerosinlampen beleuchtet werden. Sie hörten, dass die Menschen sich dort im See waschen, wo sich auch die Tiere erfrischen und dass sie dieses Wasser auch zum Trinken holen, mit der Folge, dass sie dadurch sehr oft erkranken. Und das ist problematisch, da in den ländlichen Gegenden kein Arzt in erreichbarer Nähe ist. Monika Höhn erzählt den Kindern auch, was sich dort durch die Hilfe des „Ometepe – Projektes“ verbessert hat: u.a. sind Schulen für die Kinder entstanden, in denen die Kinder auch täglich ein Essen erhalten. In einem anderen neu gebauten Gebäude bekommen die Menschen mit Behinderung Hilfe. Manchmal kommen auch Ärzte aus Deutschland, die dann den kranken Leuten helfen.
Durch die Geschichten haben unsere Vorschulkinder gehört, dass sauberes Trinkwasser, Elektrizität, Schulbesuch, ärztliche Versorgung, unterschiedliche Mahlzeiten nicht für jedes Kind auf der Erde selbstverständlich sind. So wurde auch das abstrakte Wort „Kinderarbeit“ für unsere Kinder begreifbar und die Problematik eines Entwicklungslandes am Beispiel Nicaragua nachvollziehbar.
Am nächsten Tag erzählten die Vorschulkinder den anderen Kindern unseres Kindergartens von Elias, Carlito, Manuel und den anderen Menschen auf Ometepe. Alle hörten gespannt zu.

[Bericht: Elke Marx]

Zum Schulbeginn auf Ometepe

Nach den Osterferien haben auch die Schülerinnen und Schüler auf Ometepe wieder mit der Schule begonnen. Die Kinder der  Vorschule im Alter von drei Jahren lernen die Zahlen von 1-10. Das teilte  uns die Lehrerin Martha Hernández mit, die gemeinsam mit der Lehrerin Mercedes Hernández die Vorschule leitet.

Österliche Grüße

Liebe Freundinnen und Freunde von Ometepe,

wir grüßen Euch alle sehr herzlich mit der österlichen Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern das Leben.

Damit verbinden wir zugleich unsere Hoffnung auf einen besseren Weg für Nicaragua.

Einigen Anfragen zur Lage in Nicaragua möchten wir nachgehen, andere können wir leider nicht beantworten…
Uns schmerzt es sehr, dass das Land, in dem wir 1993 unsere Arbeit begonnen haben, sich bisher noch nicht auf einem positiven und zukunftsweisenden Weg befindet!

Ein Jahr nach Beginn der Proteste am 18. April 2018 ist leider immer noch kein Dialog in Gang.

„Im Rahmen der Palmsonntags-Prozessionen haben die Menschen der vor einem Jahr bei den Protesten gewaltsam ums Leben gekommenen Jugendlichen gedacht. Ob Opposition und Regierung wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, ist ungewiss.“ heißt es in einem Artikel im „Blickpunkt Lateinamerika“. Schwarze Kreuze mit den Namen verschiedener Jugendlicher kennzeichneten die Prozession zum Palmsonntag in Managua, dem Tag, der den Beginn der Osterwoche markiert. Die Kreuze sind mit Blumen, Palmzweigen und blau-weißen Tüchern geschmückt, auf denen “Viva Nicaragua libre” steht. „Mit den Kreuzen fordern die Teilnehmer der Prozession Gerechtigkeit für die Jugendlichen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben durch die brutale Härte gegen die Demonstranten. Zehntausende Nicaraguaner sind seitdem ins Exil gegangen. (…) das Land befindet sich auf dem Weg in eine der schwersten wirtschaftlichen Krisen der vergangenen 30 Jahre. Die Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2018 um vier Prozent, 2019 wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukt bis zu zehn Prozent erwartet. Der Tourismus ist dabei einer der Sektoren, den die politische Krise am stärksten getroffen hat. Die Strandhotels, die im vergangenen Jahr für diese Saison eine Auslastung von 80 Prozent erreichten, sind nun mit weniger als 20 Prozent belegt, (…) wie Lucy Valenti, die Präsidentin der „Nationalen Tourismuskammer”, am vergangenen Donnerstag, 11. April 2019, bekanntgab.

Vor allem der internationale Tourismus, der Devisen nach Nicaragua bringt, geht weiter zurück, nachdem das mittelamerikanische Land zwischen Atlantik und Pazifik auf dem Weg war, ein beliebtes Reiseziel zu werden. Der „Nicaraguanischen Stiftung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung“ zufolge läuft die Hälfte der Nicaraguaner in diesem Jahr Gefahr, in die Armut abzurutschen!

Die Prozessionen zu Ostern sollen wieder an die Opfer erinnern. Wir hoffen sehr, dass es zu keinem neuen Blutvergießen kommen wird und die angesagten Demonstrationen friedlich verlaufen werden. Nach wie vor stehen wir mit unseren Partnern in regelmäßigem Kontakt, wenn auch die Auskünfte über die politische Situation sehr zurückhaltend sind.
Die Angst und das Misstrauen in der Bevölkerung sind nach wie vor vorhanden.

Wir sind dankbar, dass durch Eure Hilfe die Arbeit im Ometepe- Projekt weiter fortgeführt werden konnte. Von unseren 19 nicaraguanischen Mitarbeiter*innen – aus den Bereichen Vorschule, medizinischer Versorgung und Behindertenbereich – musste niemand entlassen werden, wie es leider in vielen Hotels auf der Insel notwendig wurde, da die Touristen ausgeblieben sind.
(Aktuelle Meldungen über den „Osterbetrieb“ liegen uns im Moment noch nicht vor.)

Wir wünschen uns sehr, dass dieses Land, in dem wir nun seit 26 Jahren dank einer großen Hilfs- und Spendenbereitschaft engagiert sind, zu einer Normalität zurückfindet und es wieder – vor allem im Tourismus – Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner der Insel geben wird.

Gerade erhalten wir von unserem Mitarbeiter, Dr. Jorge Quintana, die Abrechnung vom März 2019. Wir konnten auch für das zweite Quartal 2019 insgesamt 34.500€ nach Ometepe überweisen. Dafür danken wir Euch und Ihnen allen von ganzem Herzen! Wir hoffen weiterhin auf Eure Unterstützung und wünschen Euch allen ein gesegnetes Osterfest.

Monika und Michael Höhn
im Namen des Fachausschusses Ometepe

Danke an die Erzieherinnen für ihre engagierte Arbeit

„Wir gehen nun bis zum 22. April eine Woche in die Ferien“ schrieben uns die Lehrerinnen der Vorschule-Mercedes und Martha Hernández. Die Kinder hatten Fotoalben über ihre Familie zusammengestellt, die Fünfjährigen lernten spielerisch die Zahlen.
Auch die Umwelterziehung findet statt und die Kinder beteiligten sich beim Säubern ihres Umfeldes.
„Zusammenarbeit und die gemeinsame Verantwortung sollen gefördert werden“ schreiben die Erzieherinnen. Mit den Eltern wurde über die Entwicklung der Kinder und ihre Weiterbildung gesprochen und es wurden Übungen für Eltern und Kinder angeboten.

Beginn der Prozession und Feierlichkeiten der Karwoche auf Ometepe

Am Palmsonntag, dem 14. April, beginnt die katholische Tradition in Altagracia – die Segnung der Palmblätter in der Kapelle La Sabana. Später wird die Figur von Jesus auf die Eselin gehoben. Sie ist früh gekommen und ist für diesen Anlass geschmückt. Es geht in einer Prozession in Richtung Altagracia.

Ernesto Cardenal

Unser Freund, Dr. Hermann Schulz, schickte uns den nachfolgenden Artikel zu Ernesto Cardenal zu.

„Wenn unser Stündlein vorhanden ist!“
Fast ein Nachruf, vielleicht doch ein Nachruf

In der vergangenen Woche gab es täglich Telefonate hier bei uns zwischen den Freunden des alten Dichters: Ernesto Cardenal liegt im Sterben. Die Nachricht ging auch durch die Weltpresse. Mich erreichten regelmäßig Fotos aus dem Hospital; die Ärzte hatten ihn wohl schon aufgegeben, ebenso seine Freunde in Nicaragua, die um sein Bett herum standen. Der Dichter an medizinische Geräte angeschlossen mit leicht geöffnetem Mund, regungslos. So sieht jemand vor dem Sterben aus, dachte ich.
Ein Magazin bat mich um den Text eines Nachrufes, ich sei doch derjenige, der ihn schon seit den 60er Jahren kennen würde und als Verleger und Freund die engsten Kontakte hätte.
Einer solchen Bitte konnte ich mich nicht verschließen und machte mich an die Arbeit. Für mich eine emotional starke, ja abenteuerliche Reise in die Anfänge meiner Arbeit als Verleger, auf der Suche nach interessanten Autoren, nach Konzepten für den kleinen Verlag, den Johannes Rau mir übergeben hatte.
Als ich das erste Buch des Dichters heraus brachte („Zerschneide den Stacheldraht“ Lateinamerikanische Psalmen. 1967) hatte ich, ohne es zu ahnen, das wichtigste poetisch-theologische Dokument der Theologie der Befreiung öffentlich gemacht. Als junger Verleger hatte ich den Ehrgeiz, jeden Autor persönlich kennen zu lernen. Also suchte ich auf der Landkarte Nicaragua und buchte den Flug, ohne ein Wort Spanisch- Kenntnisse, ohne eine Ahnung von den politischen Verhältnissen des Landes.
Das sollte sich bald gründlich ändern!
Rückblickend würde ich sagen, das mit dieser Reise die Weichen des kleinen Verlages ganz neu gestellt wurden: Nach Lateinamerika folgte Schwarz-Afrika, Romane, Gedichte – und auch Geschichtswerke, denn wir stellen fest, dass das deutsche Publikum von den Entwicklungen dieser Kontinente keine Ahnung hatte. Ohne diese erste Reise hätte ich Eduardo Galeano nie kennengelernt, keine Gioconda Belli, keinen Sergio Ramirez, die bald in der ganzen Welt mit ihren Büchern wichtige Rollen spielten.

Es waren oft rätselhafte Wege zu Entdeckungen: Bei unserer zweiten Reise nach Nicaragua (1972, auch Mexico und Venezuela auf dem Programm) hatten meine Frau und ich eine lästige Hautkrankheit mitgebracht, gegen die die Ärzte bei uns kein Mittel fanden. Es war zum Verzweifeln!
Da erreichte mich eine Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung, an einem literarischen Kongress in Costa Rica teilzunehmen. Eigentlich war nicht daran zu denken, kurz nach der Rückkehr und wegen der Arbeitslast im Verlag wieder eine Reise zu machen, aber die Hoffnung auf Heilung gab den Ausschlag: Noch auf dem Weg vom Flughafen San José zur Universität bat ich den Taxifahrer, an einer Apotheke zu halten. Ich zeigte der Bedienung meine schlimm von Pusteln befallene Brust. Der Mann lächelte, griff in ein Regal und stellte eine Flasche mit milchiger Flüssigkeit vor mich hin. Eine einfache Kalklösung, erklärte er, eine Bananen-Krätze hätte mich befallen. Nachts einreiben, am nächsten Tag würde die Heilung eintreten. So war es dann auch.
Die nächste Person, die ich traf, als ich hilflos den richtigen Hörsaal der Universität suchte, war Eduardo Galeano aus Uruguay, auch er ein lebenslanger Freund und wichtiger Autor („Die offenen Adern Lateinamerikas“ und vieles mehr)

Den Nachruf auf Ernesto Cardenal werde ich sicher schreiben. Eine Tages. Wer weiß, wann. Vor wenigen Tagen erreichte mich ein Foto, das den alten Dichter im Kreis seiner engsten Freunde (mit glücklichen Gesichtern) in seiner Wohnung zeigt, vergnügt beim Frühstück! Vergnügt wohl auch, weil er auf Anweisung des Papstes wieder in sein Priesteramt eingesetzt wurde.
Sergio Ramírez sagte zur wundersamen Auferstehung: „Der alte Dichter hat sieben Leben!“
Mir geht jetzt durch den Kopf: Mindert es den Wert eines Dichters, wenn seine Wirkungsgeschichte die literarische Qualität wie in diesem Fall in den Hintergrund rücken lässt? Darum mache ich mir keine Sorgen: Das poetische Werk von Cardenal wird in aller Welt noch Generationen beschäftigen, wenn wir eines Tages längst Abschied von ihm genommen haben. Glücklicherweise wissen wir ja alle nicht, „wann unser Stündlein vorhanden ist“.

Hermann Schulz leitete von 1967 bis 2001 den Peter Hammer Verlag. Er besuchte bis zum Frühjahr 2018 Nicaragua insgesamt 26 Mal, wegen der Autoren, der vielen Freunde, Lesungen und Workshops und der Solidaritätsprojekte.