Letztes „Offenes Treffen Ometepe“ in 2011

Vortrag von Björn Lange über die zunehmende Armut in Deutschland und Dr. Hedi Hogrefe über ihre Erfahrungen auf Ometepe.

Über das Schicksal Langzeitarbeitsloser und Empfänger von Hartz IV berichtete der gelernte Verwaltungsfachangestellte Björn Lange. Er arbeitete sieben Jahre lang als Leistungssachbearbeiter beim städtischen Sozialamt und der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) und erlebte hautnah die Umsetzung und Auswirkungen der Hartz IV-Reform.

Die zunehmende Armut hier, die Auswirkungen auf unser Sozialsystem, mit dem sich auch die UnterstützerInnen des Ometepe-Projektes beschäftigen, waren Gegenstand der Diskussion in den Behindertenwerkstätten Wiehl-Faulmert, zu der mehr als 30 Interessierte den Weg in die BWO gefunden hatten.

Deutlich wurde noch einmal, dass angesichts der zunehmend schwieriger werdenden Situation im eigenen Land die Vermittlung für ein Engagement in einem „Dritt-Weltland“ komplizierter geworden ist und Spendeneinnahmen in vielen Organisationen in den letzten Jahren zurückgegangen sind.

Auch für das Ometepe-Projekt ist die Vermittlung und Werbung für die Menschen auf Ometepe – anders als beim Beginn der Arbeit vor 18 Jahren – nicht leichter geworden. Auf der Insel bietet das Projekt vielen Menschen Hilfe im Bereich von Bildung und Gesundheit.

In den meisten Industriestaaten haben wir es – anders als in Entwicklungsländern – nicht mit einer absoluten Armut zu tun. Der ehemalige Präsident der Weltbank, Robert McNamara, definierte Armut so:

„Armut auf absolutem Niveau ist Leben am äußersten Rand der Existenz. Die absolut Armen sind Menschen, die unter schlimmen Entbehrungen und in einem Zustand von Verwahrlosung und Entwürdigung ums Überleben kämpfen, der unsere durch intellektuelle Phantasie und privilegierte Verhältnisse geprägte Vorstellungskraft übersteigt.“

Die absolute Armutsgrenze ist bestimmt als Einkommens- oder Ausgabenniveau, unter dem sich die Menschen eine erforderliche Ernährung und lebenswichtige Bedarfsartikel des täglichen Lebens nicht mehr leisten können. Die Weltbank sieht Menschen, die weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, als „arm“ an. Betteln und Hunger(-tod) gehen somit unmittelbar mit dem Begriff der absoluten Armut einher.

Erfreulich, dass das Interesse für die Arbeit auf Ometepe nicht abnimmt und glücklicherweise immer mehr Menschen bereit sind, sich während ihres kurzen oder längeren Aufenthaltes auf Ometepe zu engagieren.

Nach guter Vorbereitung war in den letzten Wochen die Allgemeinmedizinerin Dr. Hedi Hogrefe aus Bergisch Gladbach, die bereits für „Ärzte für die dritte Welt“ in Ciudad Sandino in Managua gearbeitet hat, im Ometepe-Projekt aktiv.

Hedi Hogrefe und ihre Schwester Magdalene berichteten anhand einer Fotoschau über ihre Begegnungen mit den Patienten, die fruchtbare Zusammenarbeit mit Dr. Alvarado, dem Projektarzt, dem Ärzteteam, von ihren Eindrücken im Behindertenzentrum mit dem neuen Therapeuten und den Kindern in der Schule „La Esperanza“.

Kurz nach ihr kamen die Gynäkologin Dr. Danja Herb und ihr Ehemann, der Kinderarzt Dr. Christian Steuber, aus Ihringen gemeinsam mit ihren beiden Töchtern auf der Insel an. Sie unterstützten das Team in der Klinik und fuhren mit der Ambulanz in die Dörfer. Sie nahmen auch Kontakt zu Dr. Fabiola Gonzalez auf, die vierzehntägig eine frauenärztliche Sprechstunde in der Klinik in Altagracia hält.

Tausende von Fotos sind von den Beteiligten zusammengetragen worden und viele Berichte während des Aufenthaltes verfasst, die die Ometepe-Initiatoren per Email erreichten.

Christian Steuber hatte ebenfalls einige Fotos zugeschickt, die den Vortrag von Hedi Hogrefe ergänzten. Seinen Bericht erhalten wir in nächster Zeit.

In der Pause gab es wieder ein reichhaltiges Buffet, für das die TeilnehmerInnen gesorgt hatten. Der Abend endete nach dreieinhalb Stunden um 21.30 Uhr.

Das nächste Treffen wird der Neujahrsempfang 2012 sein, zu dem die Mitarbeiter für das Jahr 2012 einladen. Der Termin wird rechtzeitig mitgeteilt.

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