Finale

Heute ist das EM-Finale Deutschland gegen Spanien. Schon zum Frühstück sind wir bei Sonia und Carlos eingeladen.
Vormittags besuchen wir wie jedes Jahr Esmeralda und ihre Familie in San José del Norte.
(Esmeralda ist auf dem Titel unseres Buches „Und Esmeralda tanzte – Geschichten aus Nicaragua“ aus dem IATROS-Verlag zu sehen.)

Die ökonomische Situation der Familie hat sich dadurch verschärft, dass der Stiefvater nach einer missglückten Augenoperation fast blind und damit ohne Arbeit ist. Das zeigt sich auch an der Mini-Fischmahlzeit im Topf.

Außerdem brauchen sie dringend eine neue Latrine und einen neuen Küchenanbau, den Alcides für die nächsten Wochen vorsieht.
Auf einem Rundgang in der Nähe treffen wir Kinder am See.




Zum Mittag treffen wir die Vereinbarung mit Carlos, dass wir bei einem EM-Sieg Deutschlands das almuerzo kostenlos bekommen.
Als Spanien Deutschland verdient 1:0 schlägt, tröstet Carlos uns damit, dass wir nicht zahlen müssen.
Um 15 Uhr sehen wir in größerer Runde gemeinsam den neuen Ometepefilm, der bei den Zuschauern auf sehr positive Resonanz stößt. Alcides schlägt vor, ihn an Daniel Ortega zu schicken, um ihm die Realität auf Ometepe etwas näher zu bringen. Wir haben mittlerweile eine ganze Reihe positiver Rückmeldungen auf das neue Buch gekommen. Auch Karla Varela freut sich über das neue Buch, für das sie mehrere Artikel geschrieben hat.

Ganz allmählich spricht sich die Veröffentlichung auf der Insel herum. Kommende Woche will Alcides auch den Korrespondenten von El Nuevo Diario , Lesber Quintero, über die Neuerscheinungen in Kenntnis setzen. Außerdem will er einen ihm bekannten Redakteur der La Prensa in Managua zu einem Interview einladen.
Abends tröstet uns ein leckeres Essen auf der Finca Sto. Domingo über den bittersten Schmerz hinweg, den das verlorene Endspiel bei einigen verursacht hat.

Projektarbeit

Wir sind wieder eine große Runde beim Frühstück. Unsere Fleischfrau berichtet uns, dass sie – laut Auskunft eines Arztes – vermutlich eine Fraktur im Knie hat und eine Röntgenaufnahme nicht bezahlen kann, die nur auf dem Festland gemacht werden kann. Die Schmerzen sind groß, aber die Transportkosten und das Geld für weitere Untersuchungen kann sie persönlich nicht aufbringen. Alcides Flores wird sich um Hilfe aus dem Projektfonds kümmern.

Wir diskutieren mit der Gruppe über die verschiedenen Ansätze in der Entwicklungshilfe – über tatsächliche Hilfe und vermeidbare Abhängigkeiten.

Alcides berichtet von einer reunion mit dem Leiter von MINSA auf Regierungsebene, die am Vormittag in Santo Domingo stattgefunden hat. MINSA (Regierungsebene) will die Zusammenarbeit mit dem POA beenden, weil der Verkauf von Medikamenten, die das MINSA nicht zur Verfügung hat, dem Postulat der sandinistischen Regierung nach kostenloser Medikamentenausgabe widerspräche. Intern wird diese Regelung sehr bedauert. Sie bedeutet ja auch den Abbruch der Kooperation bei der gemeinsamen Nutzung des Ambulanzfahrzeugs, dem Austausch von Medizin, der finanziellen Förderung des Labors und bei der Betreuung der staatlichen Gesundheitsposten in Balgüe, Merida, La Palma und Tichana.
Alcides muss für POA akzeptieren, dass die bisherige gute Zusammenarbeit von Regierungsseite nun so abrupt unterbrochen wird. Die Arbeit von POA wird sich in Zukunft auf die projekteigenen Gesundheitsposten in San Pedro und Santo Domingo beschränken. Die Zahl der Untersuchungen wird sich dort vermutlich erhöhen. Die neue Regelung wird auch Auswirkungen beim Einsatz deutscher Ärzte haben. Es wird keine Sprechstunden (Neurologie, Pädiatrie) mehr im Umfeld von MINSA geben können.

Wir machen vor dem Mittagessen einen Ausflug zum ojo de agua, treffen am Strand einige Frauen beim Waschen an und Kinder, die am Strand spielen.

An diesem Tag sind viele Campesinos mit der Aussaat von Reis beschäftigt.

MarimbasAm Nachmittag fahren wir um 15 Uhr zu einem Marimbakonzert auf Finca Magdalena. Eine Schülergruppe aus Bainbridge veranstaltet auf dem Platz hinter der Finca, wo in der Erntezeit der Kaffee getrocknet wird, ein bewegendes Konzert auf selbstgebauten Marimbas.

Wir treffen Ilse K. Stollar (78) aus Bainbridge wieder, die 1954 aus Deutschland in die USA gegangen ist. Sie und ihr Mann unterstützen diese völkerverbindende Marimbamusik auch finanziell. Wir tauschen uns mit ihnen über unsere gemeinsame Arbeit für Ometepe aus. Ebenso mit David Mitchell aus Bainbridge, der socio der Cooperative Magdalena ist. David war bei der US-Airforce – drei Jahre lang auch in Kaiserslautern stationiert. Nach seinen Einsätzen u.a. in Korea, gehört er heute zu den Veterans for Peace, die die amerikanischen Kriegseinsätze in Irak und anderswo ablehnen. Mit solchen Amerikanern haben wir gerne zu tun…

Wir übergeben das „Alltagsbuch“ an Felix, den Präsidenten der Kooperative Magdalena. Die Freude darüber, gerade auch bei einigen, die sich auf den „Kaffee-Fotos“ wieder finden, macht uns besonders glücklich.

Abends feiern wir ausgelassen das Kofferfest in Finca Sto. Domingo.
EFis Koffer ist endlich wieder da – vollständig. Es fehlt lediglich die rote Kordel, mit der er umwickelt war. EFi erzählte am nächsten Morgen, dass sie zwar sehr erfreut war über ihren Koffer, aber keinerlei Drang verspürte, ihn auszupacken. Sie hat inzwischen „erlebt“, mit wie wenig Dingen man auskommen kann („Vom Reichtum der Armen“!).

Überraschungen

Jeden Tag gibt es neue Überraschungen. Heute Morgen haben wir kein Wasser aus der Dusche, der Druck ist zu schwach. Wir erfahren, dass es in diesem Jahr in der Trockenzeit besonders schlimm gewesen sein muss. Es gab wenig Wasser für alle. Um 8.30 Uhr gehen vier aus unserer Gruppe mit in die Schule nach Tilgüe. Edith will mit den Kindern arbeiten.

Die Gruppe wird von 75 Kindern empfangen, die sich auf ihren Besuch vorbereitet haben. Edith vermittelt in Kleingruppen Falttechniken und wird vom Rest der Gruppe unterstützt. Mit einem Essen und Tanzvorführungen der Kinder endet der Besuch.

Die Sonne ist kurz hinter den Wolken hervor gekrochen und nun sieht es schon wieder nach Regen aus. Unsere Vorräte müssen heute aufgefüllt werden. Es gibt zurzeit reichlich Avocados und Mangos. Die Reis- und Bohnenpreise sind dermaßen teuer geworden, dass auch das tägliche gallo pinto für die Bevölkerung zu einem teuren Lebensmittel geworden ist.

Am Nachmittag fahren wir mit Eduardo nach Moyogalpa und überzeugen uns bei unseren Einkäufen selbst, wie teuer alles geworden ist. Nach einigen Mühen – auch hier gibt es wieder Stromausfälle – gelingt es uns, einen Email-Kontakt nach Deutschland zu bekommen, wo wir die neuesten Meldungen erhalten.

Am Abend hat Coco einige sehr schöne Ketten aus Samen fertig gestellt, die unsere Gruppe ihr abkauft. Sie wird weitere herstellen.

Zwei Lehrerinnen aus der Primaria Koos Koster aus La Sabana besuchen uns und übergeben uns ein Bittschreiben. Sie benötigen für die ärmeren Kinder dringend Schreibmaterialien, Schuhe und Kindersachen. Coco macht uns darauf aufmerksam, dass es weitere fünf Koos Koster Schulen gibt, die alle etwas brauchen können. Es gilt, einen Modus für eine gerechte Verteilung zu finden. Coco schlägt vor, die aus Deutschland gelieferten Sachspenden zu einem „Schnäppchenpreis“ an einer festen Stelle zu verkaufen. So ist der Plan zum Bau eines „Caritas-Kaufhauses“ sicher vernünftig, auch um Missgunst zu vermeiden.

Alltag auf Ometepe

EFi in der SchuleDie Ereignisse überschlagen sich. Heute Mittag ist für uns Fußball-EM angesagt, das Spiel gegen die Türkei ist um 20.45 Uhr in Deutschland zu sehen.

Der Internet-Anschluss ist schlecht, Stromausfälle sind normal.

EFi (Edith Fischer) ist mit Wiltrud bereits in der Schule, wo sie mit den Kindern der Pre-Escolar basteln.

Wir treffen eine Mutter mit ihrem behinderten Kind, die gerade vom Physiotherapeuten kommt und uns freundlich begrüßt.

Auch Minerva begegnet uns, die sich schon wieder in ihren Alltag eingelebt hat.

HalsbandprobeCoco hat ihre Pflanzensamen eingepackt und die Halsbandwünsche der Frauen entgegengenommen. Ein Huhn aus Cocos Garten legt gerade ein Ei, die Sonne kommt zaghaft hinter den Wolken hervor und wir sind neugierig auf das, was jeden Tag neu auf uns wartet. In der Nacht wird es kühl. Die Regenzeit ist in vollem Gang und in San Ramon sind bereits die ersten Schlammlawinen heruntergekommen, zum Glück ohne Not für die Einheimischen. Mittags kaufen wir einem jungen Mädchen die mojarras ab, leckere Fische aus dem See und einen kleineren guapote, die Berta allesamt für uns zubereitet.

Bei unserem Besuch in einer Hütte treffe ich eine junge Frau (29 Jahre alt), die mir bereits als junges Mädchen begegnete. Inzwischen hat sie fünf Kinder und Coco erzählte mir, dass sie einen Suizid-Versuch mit Gramoxon hinter sich hat und zum Glück gerettet wurde, da das Unkraut-Vernichtungsmittel noch nicht in den Magen gelangt war.

Die Arbeit von Karla Varela, der im Projekt arbeitenden Psychologin, aber auch die von Minerva und Rosario, ist ein Segen für die weitere Arbeit mit und an Frauen.

EM Halbfinale!Mittags um 12.45 Uhr gehen wir mit unserer Gruppe zum Hotel Paraiso,um das Spiel Deutschland/Türkei anzusehen. Leider gibt es mehrmalige technische Übertragungsfehler, so dass wir das Spiel nicht in allen Teilen sehen konnten. Es sind nur einige wenige Gäste im Haus, die aber wenig Interesse hatten, dem Spiel zuzuschauen.

Gegen 18 Uhr werden die Affen von Guadelupe gefüttert und wir sehen einem ungewöhnlichen Schauspiel zu. Viele Affen haben durch die Fütterung inzwischen die Scheu vor den Menschen verloren, so dass sogar eine Affenmutter mit ihrem Neugeborenen auf dem Rücken, sich in unsere unmittelbare Nähe wagt und auf einem Pfosten niederlässt.

Am Abend diskutieren wir noch lange mit Sonia Kofler über die touristische Entwicklung und deren Auswirkungen auf Umwelt. Offenbar ist MARENA, das Umweltministerium, mit einigen neuen Auflagen – insbesondere, was den Bau von neuen Hotelanlagen in Seenähe anbelangt – sehr viel härter geworden. Die Insel ist ein Naturreservat und soll es bleiben – darüber sind sich die meisten inzwischen einig.
Einige Autoren des Alltagsbuches freuen sich über den Erhalt ihres Belegexemplars.

Besuch bei Berta

ZaunprojektOma BertaDie ersten beiden Tage liegen hinter uns und schon sind wir wieder voll mit neuen Eindrücken.
Wir spazieren zum Corall mit der Rinderherde und den neugeborenen Kälbern, die – anders als in Deutschland – die Milch der Mutter trinken dürfen.
In Altagracia besuchen wir am Nachmittag die Kirche und kommen mitten hinein in den fröhlich-lauten Gesang einer Messe.
Bei einem Spaziergang und Einladung zu Bertas Haus und ihrem ersten Enkelkind, einem kleinen kräftigen Mädchen namens Marlin Lisette, zu dem uns Coco begleitet, besuchen wir verschiedene Frauen, die einen Nutzgarten mit Zaun aus dem Spendenfonds angelegt haben und uns stolz ihre ersten Erträge zeigen: Quequisque, frijoles, pipianes.

Ankunft auf Ometepe

ManaguaAnkunftNach einem entspannten Flug mit der KLM, überaus freundlichem und aufmerksamen Personal über Amsterdam und Panama, landen wir pünktlich in Managua. Doch nicht nur unsere Nicas erlebten die ersten Enttäuschungen bei der Ankunft ihrer Koffer. Von unseren 7 Koffern ist der von Edith Fischer nicht dabei. Aus unserem Hotel organisieren wir nach etlichen telefonischen „Anläufen“ eine Abholung bei der Copa Airlines am nächsten Tag. Eine Freundin aus Managua steht um 7.30 Uhr bereits im Hotel, um die Verlustpapiere mit einem Begleitschreiben abzuholen und alles Weitere zu organisieren. Pünktlich um 8 Uhr geht die Reise mit einem Großraumtaxi weiter zum Hafen von San Jorge.

In der Hotelanlage machen wir einen ersten Rundgang mit unserer Kamera und entdecken kleine Holzschilder an den bekanntesten nicaraguanischen Bäumen, aber auch neue Bilder und Skulpturen.

San JorgeMutter mit KindAlcides Flores empfängt uns am Hafen von San Jorge. Er bittet uns, die kleine Fähre Mozorola direkt nach San José del Sur zu benutzen, um die Fahrt mit der Ferry nach Moyogalpa zu umgehen. Die Ferry hatte vor wenigen Wochen die Preise verdoppelt – auf 60 Cordoba pro Fahrt. Die kleine Mozorola nimmt die Hälfte und ist für Campesinos und Studenten noch bezahlbar.

Es wird eine abenteuerliche Fahrt mit hohem Wellengang. Monika und Edith „überstehen“ die Überfahrt bis zur Ankunft in dem kleinen Hafen mit Chewing Gum. Eine junge Mutter – soeben mit ihrem Neugeborenen aus der Klinik in Rivas entlassen – lässt sich auf Monis Bitte hin fotografieren.

Regen erwartet uns, der einen Fischer nicht vom Fischfang abhält. Er geht ungerührt seiner Arbeit im See nach und sorgt für das Essen für seine Familie.

Fischer im Regen

BuchbesprechungWir essen gemeinsam mit Scott Renfro aus Bainbridge, den wir schon 1993 beim Wasserprojekt in San Pedro kennen gelernt haben. Er unterhält mit zwei weiteren compañeros die kleine Transportkooperation. Mit dabei sind auch Eduardo, der Fahrer der Ambulanz, Jorge Quintana, Alcides und Rosario Cajina. In dieser Pulperia nahe der Anlegestelle von San José schmeckt uns der leckere guapote besonders gut.

Jorge und Eduardo mit Coco erhalten als Mitautoren ihre Bücher, auf die sie schon gewartet haben und ihre laminierten Fotos aus dem Buch. Wir haben Gelegenheit, über den Aufenthalt der Nicas, die Herausgabe des neuen Nicaragua-Buches und den Ometepe-Film II als Höhepunkt unserer 15-jährigen gemeinsamen Projektpartnerschaft zu berichten.

Wir sind gerade einen Tag auf der Insel. Julio Guillén lädt uns in sein Restaurant ein am Strand von Taguizapa, wo er uns seine selbstkomponierten Lieder auf der Gitarre vorstellt. Julio hatte sie für die Insulaner komponiert und die Freude darüber, dass Ometepe mit auf die Liste der vorgeschlagenen Länder zum Weltkulturerbe gehört.

Wir treffen auch David Mitchell aus Bainbridge, der gemeinsam mit jungen Leuten aus Bainbridge verschiedene große Marimba-Musikinstrumente im Kiosko von Altagracia vorführt. Er lädt uns zu einer Vorführung in die Kooperative Magdalena ein.