Ensartadera – eine religiöse Tradition auf Ometepe 

„Ensartadera“ bedeutet die Herstellung von meterlangen, duftenden Blumengirlanden, die mit einer Nähnadel auf dünnen Baumwollfaden aufgefädelt werden. Das geschieht jedes Jahr im Mai nach Ostern. Das Fest ist über den ganzen Monat zur Feier der Jungfrau Maria gewidmet.

Es ist bereits schwülwarm, da werden im frühen Morgengrauen tausende Blüten der Sacuanjoche, von den Bewohnern der umliegenden Dörfer von Altagracia, der zweitgrößeren Stadt der Insel Ometepe, gesammelt. Die bunten Blütenköpfe werden bei bestimmten Familien abgeliefert und auf großen ausgelegten Bananenblättern der Farbe nach ausgebreitet.

Dr. Roberto Alvarado, der Klinikarzt des Ometepe Projektes, schreibt dazu:
„Todos los años. En los mismos lugares. Es promesa de la familia donde se hace las cadenas de flores. Y cada dia se turnan para adornar la capilla. Cuando no es posible adornar con flores lo hacen con cortinas. Todos apoyan y las comunidades se turnan. Por algún favor que les ha hecho la virgen (milagro). O por tradicion que pasa de generación en generación…“
[„Jedes Jahr. An den gleichen Orten. Es ist ein Versprechen der Familie, wo die Blumenketten hergestellt werden. Und jeden Tag schmücken sie abwechselnd die Kapelle. Wenn es nicht möglich ist, sie mit Blumen zu dekorieren, machen sie es mit Vorhängen. Alle unterstützen die Gemeinden und wechseln sich ab. Mit einem Gefallen, den die Jungfrau ihnen angetan hat (Wunder). Oder nach Tradition, die von Generation zu Generation übergeht…“]

Tortilla, Salat mit Huhn, Bohnen, Reis und Wasser ist das, was mit allen Menschen, die kommen und helfen, geteilt wird.
Die fertigen Blütenketten werden zur Kirche gebracht und dort in großen Bögen von der Decke herabhängend dekoriert, um für die 17 Uhr Messe – zu Ehren der Jungfrau Maria – bereit zu sein.

Ursula Blonigen

Ein Haus auf Ometepe gegen die Hoffnungslosigkeit

Mit einer Spende der Realschule Am Hepel in Gummersbach – anlässlich des jährlich stattfindenden traditionellen Dezemberabends – konnte ein Haus für eine junge und besonders bedürftige Familie mit einem behinderten Kind gebaut werden. Es ist das 196. Haus, das vom Ometepe-Projekt durch Spenden in Höhe von 3400 € gebaut werden konnte.

Die Geschäftsführer des Projektes – Monika und Michael Höhn aus Wiehl – erhielten in diesen Tagen Fotos vom neu erbauten Haus. Seit April letzten Jahres hat sich die sozialpolitische Situation in Nicaragua grundlegend verändert. Das Land steht nach gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen es Tote und Verletze gab und viele politische Gefangene, die immer noch im Gefängnis sitzen, vor großen wirtschaftlichen Problemen. Beim Neujahrsempfang des Ometepe-Projektes und in verschiedenen Vorträgen haben die Initiatoren des Projektes – Monika und Michael Höhn – auf die
traurige Situation im Land hingewiesen. „Eine solche Entwicklung haben wir nicht für möglich gehalten, nachdem es in den 26 Jahren der Projektarbeit so viele positive Veränderungen gegeben hat. Deshalb hat uns die Haltung eines Präsidenten, der sich zu einem Diktator entwickelt hat, besonders betroffen.“

Seit April 2018 ist auch der Tourismus weitgehend zusammengebrochen und obwohl eine scheinbare Ruhe im Land eingetreten ist, leiden die Menschen unter der Uneinsichtigkeit ihres machtbesessenen Präsidenten. Auch die Insel Ometepe hat es getroffen, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Ein Kontakt zu den Mitarbeiter*innen des Projektes besteht täglich, da sich viele Freundschaften im Lauf der Jahre entwickelt haben. Dankbar und froh sind alle Mitstreiter*innen des Ometepe-Projektes, dass
die 20 Mitarbeiterinnen – überwiegend alleinerziehende Frauen – weiterhin in den verschiedenen Bereichen (Schule, Klinik und Behinderteneinrichtung) arbeiten können und niemandem gekündigt werden musste.

Monika Höhn

Herzliche Einladung zum Ometepe-Gottesdienst

am Sonntag, dem 15.9.2019 um 10 Uhr in der Wiehler Kirche.

Einmal im Jahr findet der traditionelle Ometepe-Gottesdienst statt, zu dem wir wieder herzlich einladen möchten. Angesichts der besonders schwierigen sozialpolitischen Situation im Land seit April letzten Jahres, ist es uns ein besonderes Anliegen, den Menschen auf der Insel Ometepe durch unser Gedenken mit Gebet und Gesang unsere Solidarität zu bekunden.

Unsere beiden afrikanischen Freundinnen Neema und Awusi werden als »Sauti Afrika« unseren Gottesdienst mit ihrem Gesang bereichern. Wir freuen uns über Ihren Besuch. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich im Wiehlpark beim Weltkindertag zu stärken.

Monika Höhn

Zu Besuch im Helene-Lange-Kindergarten Gaderoth

Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu ändern (Anne Frank)

Viele Fotos von großen und kleinen Menschen, von Landschaft, einem Vulkanausbruch schmückten den Turnraum der Kindertagesstätte am Dienstag, dem 02.04.2019. Erstaunt betraten unsere 26 Vorschulkinder den Raum. Auf dem Boden lag ein geheimnisvoller Jutesack. Bald erfuhren sie, dass in dem Sack 2 Macheten verpackt und dass die Fotos auf Ometepe fotografiert worden sind. Gespannt schauten die Kinder, als sie hörten, dass Ometepe eine Insel mit 2 Vulkanen ist, die zu Nicaragua gehört. Um uns das Wort „Ometepe“ zu merken, klatschen wir erst mal die Silben „Om-e-te-pe“. Dann machten wir Kniebeugen im Silbentakt.
Wir hatten nämlich an diesem Vormittag Besuch von Monika Höhn bekommen. Monika hat vor ca.25 Jahren mit ihrem Mann Michael und ein paar Freunden das Ometepe – Projekt (www.ometepe-nicaragua.de) gegründet. Monika Höhn war schon oft bei uns und erzählt unseren Vorschulkindern wahre Geschichten von der Insel Ometepe. So lauschten die Kinder auch in diesem Jahr wieder interessiert, als Monika von Elias, Carlito, Manuel und den vielen Kindern berichtet, die in ihren Palmhütten um den Vulkan Maderas leben, und sie betrachteten die großen Fotos, auf denen die nicaraguanischen Kinder zu sehen waren – mal beim Verkauf von Gegenständen in den Überlandbussen, als Schuhputzjungen auf der Straße, oder beim Kofferschleppen für Touristen auf der Fähre, oder zu Hause in ihren Hütten, die mit Kerosinlampen beleuchtet werden. Sie hörten, dass die Menschen sich dort im See waschen, wo sich auch die Tiere erfrischen und dass sie dieses Wasser auch zum Trinken holen, mit der Folge, dass sie dadurch sehr oft erkranken. Und das ist problematisch, da in den ländlichen Gegenden kein Arzt in erreichbarer Nähe ist. Monika Höhn erzählt den Kindern auch, was sich dort durch die Hilfe des „Ometepe – Projektes“ verbessert hat: u.a. sind Schulen für die Kinder entstanden, in denen die Kinder auch täglich ein Essen erhalten. In einem anderen neu gebauten Gebäude bekommen die Menschen mit Behinderung Hilfe. Manchmal kommen auch Ärzte aus Deutschland, die dann den kranken Leuten helfen.
Durch die Geschichten haben unsere Vorschulkinder gehört, dass sauberes Trinkwasser, Elektrizität, Schulbesuch, ärztliche Versorgung, unterschiedliche Mahlzeiten nicht für jedes Kind auf der Erde selbstverständlich sind. So wurde auch das abstrakte Wort „Kinderarbeit“ für unsere Kinder begreifbar und die Problematik eines Entwicklungslandes am Beispiel Nicaragua nachvollziehbar.
Am nächsten Tag erzählten die Vorschulkinder den anderen Kindern unseres Kindergartens von Elias, Carlito, Manuel und den anderen Menschen auf Ometepe. Alle hörten gespannt zu.

[Bericht: Elke Marx]

Zum Schulbeginn auf Ometepe

Nach den Osterferien haben auch die Schülerinnen und Schüler auf Ometepe wieder mit der Schule begonnen. Die Kinder der  Vorschule im Alter von drei Jahren lernen die Zahlen von 1-10. Das teilte  uns die Lehrerin Martha Hernández mit, die gemeinsam mit der Lehrerin Mercedes Hernández die Vorschule leitet.

Österliche Grüße

Liebe Freundinnen und Freunde von Ometepe,

wir grüßen Euch alle sehr herzlich mit der österlichen Botschaft, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern das Leben.

Damit verbinden wir zugleich unsere Hoffnung auf einen besseren Weg für Nicaragua.

Einigen Anfragen zur Lage in Nicaragua möchten wir nachgehen, andere können wir leider nicht beantworten…
Uns schmerzt es sehr, dass das Land, in dem wir 1993 unsere Arbeit begonnen haben, sich bisher noch nicht auf einem positiven und zukunftsweisenden Weg befindet!

Ein Jahr nach Beginn der Proteste am 18. April 2018 ist leider immer noch kein Dialog in Gang.

„Im Rahmen der Palmsonntags-Prozessionen haben die Menschen der vor einem Jahr bei den Protesten gewaltsam ums Leben gekommenen Jugendlichen gedacht. Ob Opposition und Regierung wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, ist ungewiss.“ heißt es in einem Artikel im „Blickpunkt Lateinamerika“. Schwarze Kreuze mit den Namen verschiedener Jugendlicher kennzeichneten die Prozession zum Palmsonntag in Managua, dem Tag, der den Beginn der Osterwoche markiert. Die Kreuze sind mit Blumen, Palmzweigen und blau-weißen Tüchern geschmückt, auf denen “Viva Nicaragua libre” steht. „Mit den Kreuzen fordern die Teilnehmer der Prozession Gerechtigkeit für die Jugendlichen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben durch die brutale Härte gegen die Demonstranten. Zehntausende Nicaraguaner sind seitdem ins Exil gegangen. (…) das Land befindet sich auf dem Weg in eine der schwersten wirtschaftlichen Krisen der vergangenen 30 Jahre. Die Wirtschaft schrumpfte im Jahr 2018 um vier Prozent, 2019 wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukt bis zu zehn Prozent erwartet. Der Tourismus ist dabei einer der Sektoren, den die politische Krise am stärksten getroffen hat. Die Strandhotels, die im vergangenen Jahr für diese Saison eine Auslastung von 80 Prozent erreichten, sind nun mit weniger als 20 Prozent belegt, (…) wie Lucy Valenti, die Präsidentin der „Nationalen Tourismuskammer”, am vergangenen Donnerstag, 11. April 2019, bekanntgab.

Vor allem der internationale Tourismus, der Devisen nach Nicaragua bringt, geht weiter zurück, nachdem das mittelamerikanische Land zwischen Atlantik und Pazifik auf dem Weg war, ein beliebtes Reiseziel zu werden. Der „Nicaraguanischen Stiftung für wirtschaftliche und soziale Entwicklung“ zufolge läuft die Hälfte der Nicaraguaner in diesem Jahr Gefahr, in die Armut abzurutschen!

Die Prozessionen zu Ostern sollen wieder an die Opfer erinnern. Wir hoffen sehr, dass es zu keinem neuen Blutvergießen kommen wird und die angesagten Demonstrationen friedlich verlaufen werden. Nach wie vor stehen wir mit unseren Partnern in regelmäßigem Kontakt, wenn auch die Auskünfte über die politische Situation sehr zurückhaltend sind.
Die Angst und das Misstrauen in der Bevölkerung sind nach wie vor vorhanden.

Wir sind dankbar, dass durch Eure Hilfe die Arbeit im Ometepe- Projekt weiter fortgeführt werden konnte. Von unseren 19 nicaraguanischen Mitarbeiter*innen – aus den Bereichen Vorschule, medizinischer Versorgung und Behindertenbereich – musste niemand entlassen werden, wie es leider in vielen Hotels auf der Insel notwendig wurde, da die Touristen ausgeblieben sind.
(Aktuelle Meldungen über den „Osterbetrieb“ liegen uns im Moment noch nicht vor.)

Wir wünschen uns sehr, dass dieses Land, in dem wir nun seit 26 Jahren dank einer großen Hilfs- und Spendenbereitschaft engagiert sind, zu einer Normalität zurückfindet und es wieder – vor allem im Tourismus – Arbeitsmöglichkeiten für die Bewohner der Insel geben wird.

Gerade erhalten wir von unserem Mitarbeiter, Dr. Jorge Quintana, die Abrechnung vom März 2019. Wir konnten auch für das zweite Quartal 2019 insgesamt 34.500€ nach Ometepe überweisen. Dafür danken wir Euch und Ihnen allen von ganzem Herzen! Wir hoffen weiterhin auf Eure Unterstützung und wünschen Euch allen ein gesegnetes Osterfest.

Monika und Michael Höhn
im Namen des Fachausschusses Ometepe